Angehörige, Co-AbhängigkeitAbhängigkeit & Beziehungsstörung

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Egal, ob auf der Arbeit oder in Familie und Freundeskreis – er steht in Beziehung zu den ihn umgebenden Menschen. Und deswegen ist auch Sucht in irgendeinem Zusammenhang menschlicher Beziehung oft ein Thema. Zum einen, weil es mit der Co-Abhängigkeit und der Beziehungssucht zwei „echte Abhängigkeiten“ im sozialen Miteinander gibt. Zum anderen, weil man als Angehörige/r, Kollegin oder Kollege, Arbeitgeber/in oder Freund/in unter Umständen mit einem oder einer Suchtkranken zu tun hat.

Die Suchterkrankung eines Menschen
beeinflusst sein gesamtes Umfeld.

 


Beziehungssucht

Beziehungssüchtige sind blind für die eigenen Bedürfnisse. Sie verzehren sich für ihr Gegenüber bis zur völligen Selbstaufgabe.

Die große, perfekte Liebe, die alles bis zur Selbstaufgabe erduldet, steht im Mittelpunkt der Beziehungssucht. Oder zumindest die Suche nach diesem Ideal.
Dahinter steckt oft ein geringes Selbstwertgefühl. In der Kindheit fehlt den Betroffenen das Gefühl als Individuum wahrgenommen und akzeptiert zu werden. Als Erwachsene versuchen sie dann, in zwischenmenschlichen Beziehungen das dadurch entstandene Loch zu füllen. Es entsteht die Sucht gebraucht zu werden.

Unter Fachleuten ist umstritten, ob überhaupt von einer Beziehungssucht gesprochen werden kann. Streng genommen wird der Begriff „Sucht“ noch immer häufig mit einer Abhängigkeit von einem bestimmten Stoff wie Alkohol oder Drogen gleichgesetzt. Die Folgen der nicht stofflichen Abhängigkeiten – zu denen die Beziehungssucht gehören würde – unterscheiden sich von denen stofflicher Abhängigkeit kaum. Oft geht die Beziehungssucht zudem mit anderen Krankheiten wie Depressionen, Schlaf- und Essstörungen oder Medikamentensucht einher.

Beziehungssüchtige sind blind für die eigenen Bedürfnisse. Sie kümmern sich nur um die Bedürfnisse des/der Partner/innen, für die sie äußerst sensibel sind. Sie verzehren sich für ihr Gegenüber bis zur völligen Selbstaufgabe. Sie haben keine eigene Meinung und stellen keine eigenständigen Personen dar, sondern definieren sich nur im Zusammenhang mit dem anderen Menschen. Hier wird von „symbiotischen Beziehungen“ gesprochen.

Beziehungssüchtige Menschen haben meist das Gefühl ohne den/die Partner/in nichts wert zu sein. Sie leben in ständiger Angst austauschbar zu sein. Chronisch beziehungsabhängige Menschen sind tief in ihrem Innern davon überzeugt, dass niemand, der sie näher kennen lernt, sie wirklich lieben kann. Sie kontrollieren andere Menschen ständig. Was sie als Liebe bezeichnen, ist in erster Linie ein Versuch sich von den krankhaften Selbstzweifeln und Minderwertigkeitsgefühlen zu befreien.

Typisch für Betroffene ist, dass sie von einer Beziehung in die nächste schlittern, immer in der Hoffnung, dass bei der nächsten Partnerin oder dem nächsten Partner alles anders wird. Ebenso typisch ist, dass sich Betroffene jahrelang an eine Beziehung klammern, die schon längst in einer Sackgasse steckt.


DHS Memorandum Angehoerige in der SuchtselbsthilfeCo-Abhängigkeit

Angehörige von Suchtkranken sind individuell mehr oder weniger stark von der Suchterkrankung mit betroffen.

Viele entwickeln jedoch eine Co-Abhängigkeit*, die als eigenständige Störung zu sehen ist. Oft haben diese Co-Abhängigen in ihrer Kindheit bereits entsprechende Erfahrungen gemacht. Eines der Merkmale bei Co-Abhängigen von Suchtkranken ist, dass sie die Situation in ihrer Suchtfamilie nach außen hin verdeckt halten und sie als „Familiengeheimnis“ hüten. Oftmals wollen sie die Suchtkrankheit in der Familie auch nicht wahrhaben.

Co-Abhängige versuchen Hilfestellungen zu geben. Sie warnen und ermahnen, um dann doch wieder zu beschützen, zu erklären, zu rechtfertigen und zu vertuschen. Wie der Mann, der für seine Kollegin Arbeiten übernimmt, weil sie wieder betrunken zur Arbeit kommt. Oder das Kind, das putzt, wäscht, kocht usw., damit die Familie zusammengehalten wird, während sich die Mutter mit Tabletten betäubt. Oder die Frau, die sich für ihren Mann Alibis ausdenkt, ihn vor Freunden, Kindern und Nachbarn entschuldigt und ihn abends aus der Kneipe abholt. Oder wie die Mutter, die für ihren Sohn wiederholt Kredite aufnimmt um seine (Spiel-) Schulden zu begleichen.

*Das Konzept der Co-Abhängigkeit ist in der neueren Forschung durchaus umstritten. Trotzdem begreifen sich viele Betroffene als co-abhängig. Es gibt ihnen, beispielsweise in Selbsthilfegruppen, einen Rahmen, in dem sie an ihren Problemen arbeiten können.

Co-Abhängigkeit ist eine Form der Beziehungsstörung und -abhängigkeit. Co-Abhängige haben Probleme für eine angemessene Selbstachtung zu sorgen, Grenzen zu setzen, die eigene Realität zu begreifen und als solche zu akzeptieren, Erwachsenen-Bedürfnisse und -Wünsche zu erkennen und für eine angemessene Erfüllung zu sorgen.

Die Co-Abhängigkeit wird in drei Phasen eingeteilt, wobei nicht grundsätzlich eine Phase der anderen folgt. Betroffene können auch in einer Phase verharren oder Phasen überspringen:

Die Entschuldigungs- und Beschützerphase
Die Betroffenen sind zwar genervt vom Suchtmittel-Konsum ihres Angehörigen, bemühen sich aber nach außen Entschuldigungen und Erklärungen zu finden. Co- Abhängige beginnen Verantwortung für den Suchtkranken zu übernehmen und bewahren diesen vor den Konsequenzen seines Handelns.

Die Kontrollphase
Das Suchtmittel nimmt in der Beziehung einen wichtigen Platz ein. Der Konsum steigt einerseits und die Co-Abhängigen versuchen andererseits durch verstärkte Kontrolle „die Sache im Griff zu behalten“. Die Haushaltskasse wird überwacht, Suchtmittel werden versteckt oder entsorgt, der/die Suchtkranke wird nicht mehr aus den Augen gelassen. Dahinter steckt der Anspruch: „Wenn ich mir nur genügend Mühe gebe, werde ich die Situation in den Griff bekommen.“ Das ist zum Scheitern verurteilt – das Selbstwertgefühl des/der Co-Abhängigen sinkt.

Die eigenen Enttäuschungen und Versagensgefühle werden auf den Suchtkranken übertragen. Der Alltag ist geprägt von Spannungen, Argwohn und gegenseitigen Vorwürfen.

Die Anklagephase
Der/die Abhängige wird zum Sündenbock. Er/sie hat Schuld, dass die Co-Abhängigen kein eigenes Leben mehr leben können. Sie sprechen Drohungen aus, die sie dann aber nicht einhalten: „Wenn du weiter trinkst, verlasse ich dich.“ Die Betroffenen sind in einem Suchtkreislauf. Alles dreht sich um die Beziehung. Und wenn diese aufhören würde, hätten die Co-Abhängigen ihren „Sinn des Lebens“ verloren.

Folgen der Co-Abhängigkeit
Die Mitbetroffenheit hat, genau wie die Abhängigkeit, Folgen für die Person. Es kommt zu Veränderungen im sozialen Umfeld, Außenkontakte werden aus Scham gemieden. Dazu können psychosomatische Folgen kommen wie Kopfschmerzen, Herzbeschwerden, Verspannung bis hin zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen. Oft entwickeln die Co-Abhängigen auch eine Medikamentenabhängigkeit oder Ess-Störung.


Tipps
Angehörige aller Süchtigen sind eng und täglich mit der Sucht konfrontiert. Generell gilt, um nicht selbst im Strudel der Sucht mitgerissen zu werden:

  • In jedem Fall sollten Angehörige Probleme in der Familie, im Kollegen- oder Freundeskreis niemals totschweigen.
  • Nehmen Sie sich Raum für sich selbst. Hören Sie auf Ihre Bedürfnisse.
  • Versuchen Sie eine offene Auseinandersetzung, in der Sie sich auf konkrete Verhaltensweisen beziehen. Vermeiden Sie Verallgemeinerungen.
  • Benennen Sie Ihre eigenen Gefühle.
  • Informieren Sie sich über die Sucht.
  • Nehmen Sie fachliche Hilfe in Anspruch.
  • Schließen Sie sich einer Angehörigen-Selbsthilfegruppe an.

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